Studie zur Saisonalen Insulinveränderung

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eff-eins
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Studie zur Saisonalen Insulinveränderung

Beitrag von eff-eins »

Saisonale Insulinveränderungen bei Pferden – warum die Insulinwerte im Winter steigen können

Eine große Studie von Lopes, Huber und Durham (2025) liefert interessante Erkenntnisse zur jahreszeitlichen Veränderung der Insulinkonzentrationen bei Pferden.

Studiendaten

Lopes et al. untersuchten 2025 im Journal of Veterinary Internal Medicine die saisonalen Einflüsse auf die Insulinkonzentrationen bei Equiden.

Grundlage waren 21.236 Laborfälle aus den Jahren 2012 bis 2023. Untersucht wurden sowohl basale Insulinwerte als auch Insulinreaktionen nach einer oralen Zuckerbelastung.

Berücksichtigt wurden Jahreszeit, Rasse, Alter und Geschlecht.

Die wichtigsten Ergebnisse

- Die basalen Insulinkonzentrationen waren im Winter (Dezember bis Februar) signifikant höher als in allen anderen Jahreszeiten.
- Auch nach oraler Zuckerbelastung zeigten sich im Winter höhere Insulinwerte als im Sommer und Herbst.
- Besonders hohe Insulinkonzentrationen wurden bei Shetland- und Welshponys festgestellt.
- Zusätzlich hatten Alter und Geschlecht einen messbaren Einfluss auf die Insulinwerte.

Die Ergebnisse waren statistisch hochsignifikant (p < 0,001).

Die evolutionäre Erklärung: die sogenannte Thrifty-Gene-Hypothese

Besonders interessant ist die Diskussion der Autoren über mögliche evolutionäre Zusammenhänge.

Robuste, leichtfuttrige Pferderassen haben sich über Generationen an Lebensbedingungen mit jahreszeitlich schwankendem und zeitweise knappem Nahrungsangebot angepasst.

Die sogenannte Thrifty-Gene-Hypothese beschreibt einen Stoffwechsel, der darauf ausgelegt ist, verfügbare Energie möglichst effizient zu speichern und bei Nahrungsmangel körpereigene Reserven zu mobilisieren.

Die Autoren diskutieren zwei mögliche Vorteile der winterlichen Stoffwechselanpassung:

1. Eine verstärkte Insulinausschüttung unterstützt die Speicherung verfügbarer Energie.
2. Eine relative Insulinresistenz kann die Mobilisierung körpereigener Energiereserven bei Nahrungsmangel erleichtern. Die dadurch verminderte Insulinwirkung kann wiederum eine kompensatorisch erhöhte Insulinausschüttung begünstigen.

Damit könnte der winterliche Insulinanstieg zumindest teilweise eine physiologische, evolutionär entstandene Stoffwechselanpassung darstellen und nicht ausschließlich eine Folge der Fütterung sein.

Als weitere mögliche Einflussfaktoren nennen die Autoren unter anderem niedrige Umgebungstemperaturen, Cortisol und jahreszeitliche Veränderungen des Stoffwechsels.

Bedeutung für die Fütterung insulin-dysregulierter Ponys

Die Ergebnisse sind insbesondere für leichtfuttrige Rassen und Ponys mit EMS bzw. Insulindysregulation interessant.

Ein erhöhter Insulinwert im Winter muss nicht zwangsläufig bedeuten, dass das Pony mehr Zucker aufgenommen hat oder dass sich seine Fütterung verschlechtert hat. Jahreszeitliche Stoffwechselveränderungen müssen bei der Interpretation der Laborwerte mitbedacht werden.

Daraus ergibt sich auch eine wichtige Überlegung für das Wintermanagement:

Die Raufuttermenge sollte nicht automatisch allein aufgrund der Jahreszeit erhöht werden. Entscheidend bleiben der tatsächliche Energiebedarf, das Körpergewicht, der Ernährungszustand und die Qualität des Raufutters.

Eine zusätzliche Energieversorgung ohne entsprechenden Bedarf kann bei insulin-dysregulierten Ponys problematisch sein.

Natürlich bedeutet das nicht, dass Ponys im Winter hungern oder zu wenig Raufutter erhalten sollen. Eine ausreichende, bedarfsgerechte und möglichst zuckerarme Raufutterversorgung bleibt unverzichtbar.

Fazit

Die Studie zeigt, dass die Insulinkonzentration bei Pferden erheblichen jahreszeitlichen Schwankungen unterliegt. Besonders Shetland- und Welshponys weisen eine ausgeprägte Neigung zu höheren Insulinwerten auf.

Die Autoren stellen ausdrücklich einen möglichen Zusammenhang mit evolutionären Stoffwechselanpassungen her.

Für die Praxis bedeutet das: Winterliche Insulinanstiege sollten nicht automatisch als Folge einer falschen Fütterung interpretiert werden. Ebenso wenig sollte die Raufutterration pauschal erhöht werden. Die individuelle Stoffwechsellage und der tatsächliche Energiebedarf müssen maßgeblich bleiben.

Quelle:

Lopes A, Huber L, Durham AE (2025): The Seasonality of Serum Insulin Concentrations in Equids and the Association With Breed, Age, and Sex.

Journal of Veterinary Internal Medicine, 39(3), e70089.

https://doi.org/10.1111/jvim.70089
LG Kathi
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