wissenschaftliche Erkenntnisse zu PPID

Fachinformationen zum Thema Equines Cushing Syndrom
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eff-eins
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wissenschaftliche Erkenntnisse zu PPID

Beitrag von eff-eins »

Gibt es Neuigkeiten zu PPID, Diagnostik, Therapie oder Verlauf die abweichend von den bisherigen Empfehlungen des Forums zum Thema getroffen wurden?
Kurz und knapp beantwortet: Leider Nein!

Ich bin trotzdem mal auf die Suche gegangen weil momentan in Social Media viel auf den Zug aufgesprungen wird der schon seit Jahren, für Jedermann KOSTENLOS zugänglich, auf dem Bahnhof bereit steht.
Das EMS/PPID Rad muss nicht neu erfunden werden und therapeutischer Goldstandard bleibt belegbar noch immer Prascend.

Es wäre auch zu schön gewesen wenn es Evidenzbasierte Alternativen dazu geben würde die vielfach versprochen werden.

Bei nachgewiesenem PPID sollte ein Verantwortungsvoller Umgang mit Prascend erfolgen das, einschleichend mit geringer Wirkstoffgröße antherapiert, kaum und wenn nicht längerfristig Nebenwirkungsbehaftet ist.
Das, so haben die Erfahrungen im Forum gezeigt, entsteht insbesondere dann wenn klinische Auffälligkeiten fehlen bei nicht diagnostisch Beweisführendem ACTH Wert oder dem Beipackzettel Folge geleistet und schlichtweg überdosiert wird.

Soviel wie nötig, so wenig wie möglich unter Zuhilfenahme von mindestens jährlichen Kontrollen ob alles noch passt haben sich bewährt.



https://doi.org/10.3390/vetsci12080780

Die Zusammenfassung aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse zu PPID beim Pferd (2025)
Die aktuelle Übersichtsarbeit fasst den heutigen internationalen Wissensstand zu Pituitary Pars Intermedia Dysfunction zusammen.

Die Arbeit bestätigt klar, dass PPID eine echte, chronisch fortschreitende neurodegenerative Erkrankung ist und keine „Modekrankheit“ oder bloße Alterserscheinung. Ursache ist ein Verlust dopaminerger Nervenzellen im Hypothalamus. Dadurch fehlt die natürliche Hemmung der Pars intermedia der Hypophyse, was zu einer übermäßigen Produktion verschiedener Hormone führt, insbesondere ACTH.

Die Erkrankung betrifft nicht nur ältere Pferde. Zwar steigt die Häufigkeit mit dem Alter deutlich an, jedoch beschreibt die Literatur auch jüngere Tiere mit gesicherter PPID-Diagnose. Entscheidend sind dabei nicht einzelne Werte allein, sondern klinisches Bild, Verlauf und Therapieansprechen.

Pergolid/Prascend als Goldstandard
Die Übersichtsarbeit bezeichnet Pergolid ausdrücklich als Therapie der Wahl bzw. Goldstandard bei PPID.

Pergolid wirkt als Dopaminagonist und setzt direkt an der eigentlichen Krankheitsursache an: dem Verlust dopaminerger Hemmung.

Unter Pergolid zeigen Studien:

*Signifikante Senkung des ACTH
*Häufige Rückkehr in den Referenzbereich
*Verbesserung klinischer Symptome,
geringeres Hufreherisiko
*Bessere Lebensqualität

Eine Stabilisierung über viele Jahre ist möglich.
Die Therapie gilt dabei nicht als heilend, sondern als kontrollierend.
PPID bleibt lebenslang bestehen, kann aber oft sehr gut stabilisiert werden.

ACTH bleibt zentraler Kontrollparameter!

Die Arbeit bestätigt, dass basales ACTH der wichtigste Parameter zur Therapiekontrolle ist.
Dabei müssen saisonale Referenzbereiche berücksichtigt werden, da ACTH physiologisch im Spätsommer und Herbst ansteigt.

Der TRH-Stimulationstest wird vor allem als diagnostisches Instrument beschrieben, besonders bei frühen oder unklaren Fällen. Für die Verlaufskontrolle unter Pergolid ist ACTH deutlich besser geeignet.

Wichtig ist, dass ACTH nie isoliert bewertet werden sollte.
Moderne Empfehlungen berücksichtigen immer:
klinische Symptome
Verlauf über mehrere Messungen
Jahreszeit
EMS-/Insulinsituation
Hufgesundheit
Allgemeinzustand
EMS und PPID müssen gemeinsam betrachtet werden.

Die aktuelle Literatur betont stark die Verbindung zwischen PPID und
Equine Metabolic Syndrome.

Insulin Dysregulation gilt heute als zentraler Risikofaktor für Hufrehe. Deshalb wird empfohlen, zusätzlich zu ACTH regelmäßig:
Insulin
Glukose
Triglyceride
ggf. Fruktosamin
zu kontrollieren.
Der moderne Ansatz bewertet nicht nur einzelne Laborwerte, sondern die gesamte metabolische Stabilität des Pferdes.

Naturheilkundliche und alternative Therapien

Die Übersichtsarbeit beschreibt keine alternative Therapie mit vergleichbarer Evidenz zu Pergolid.
Für Kräuter, Mönchspfeffer (Vitex agnus-castus) oder andere naturheilkundliche Verfahren konnte bislang nicht konsistent gezeigt werden:
dass ACTH zuverlässig sinkt
dass die Progression der Erkrankung gestoppt wird
dass das Hufreherisiko vergleichbar reduziert wird
Alternative Ansätze können teilweise unterstützend wirken, etwa auf Fellwechsel, Allgemeinbefinden oder Stoffwechsel. Sie ersetzen jedoch nach aktuellem wissenschaftlichem Stand keine Pergolidtherapie.

Nebenwirkungen und Verträglichkeit von Pergolid

Die Literatur beschreibt Pergolid insgesamt als gut wirksam und überwiegend gut verträglich.

Mögliche Nebenwirkungen sind:
Appetitminderung
leichte Lethargie
reduzierte Futteraufnahme
selten Durchfall oder Verhaltensveränderungen
Diese Effekte treten meist:
zu Beginn der Therapie
oder bei zu schneller Dosiserhöhung
auf und sind häufig vorübergehend.

Das sogenannte „Pergolide veil“ bessert sich oft durch langsames Einschleichen oder kleine Dosisanpassungen.
Die wissenschaftliche Literatur beschreibt Pergolid nicht als „auszehrend“ oder grundsätzlich schädlich.
Im Gegenteil:
Viele typische Verschlechterungen wie Muskelabbau, Leistungsabfall oder schlechte Wundheilung werden vielmehr dem Fortschreiten der unbehandelten Erkrankung zugeschrieben.

Moderne Fütterungsempfehlungen

Aktuelle Empfehlungen bei PPID + EMS konzentrieren sich heute vor allem auf:

*stabile Insulinwerte
*zucker- und stärkearme Fütterung
*ausreichende Eiweißversorgung
*Muskelerhalt
*konstante Fütterungsbedingungen
*Heu bleibt die wichtigste Grundlage der Fütterung.

Die Empfehlungen bevorzugen:
*analysiertes Heu
*niedrige NSC-Werte
*möglichst konstante Fütterung
*Vermeidung großer Zuckerschwankungen

Komplettes Fasten wird heute nicht empfohlen. Für Insulinmessungen gilt „Heu-only“ als etablierter Standard!

Gesamtfazit der aktuellen Literatur

Die heutige wissenschaftliche Datenlage beschreibt PPID als klar definierte neurodegenerative Erkrankung, die langfristig behandelt und überwacht werden muss.
Die aktuell am besten belegte Therapie besteht aus:
Pergolid/Prascend
angepasstem Stoffwechselmanagement
EMS-Kontrolle
geeigneter Fütterung
regelmäßigen Verlaufskontrollen
ACTH bleibt der wichtigste Marker für die PPID-Kontrolle, während Insulin und metabolische Parameter entscheidend für das Hufreherisiko sind.
Die Literatur unterstützt nicht die Behauptung, PPID sei eine Modediagnose oder Pergolid grundsätzlich schädlich. Stattdessen wird Pergolid international weiterhin als Goldstandard der evidenzbasierten PPID-Therapie angesehen.
LG Kathi
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