Welche Pflanzen Pferde nicht fressen sollten

Fragen zur artgerechte Haltung mit Weidemanagement von Pferden und Ponys allgemein und im speziellen mit Hufrehe
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eff-eins
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Welche Pflanzen Pferde nicht fressen sollten

Beitrag von eff-eins »

Welche Pflanzen Pferde nicht fressen sollten
21.08.2025 / News


Es gibt eine ganze Reihe von Pflanzen, von denen man seine Pferde fernhalten sollte – viele davon sind gut bekannt und tauchen auch immer wieder in der medialen Berichterstattung auf. Doch für manche trifft das weniger zu, wie diese vier Beispiele zeigen.


Nicht jedes Laub ist für Pferde unbedenklich – die Blätter mancher Bäume sind beim Welken sogar besonders giftig. Symbolfoto: Archiv/Pixabay



„Pferde erkennen Giftpflanzen instinktiv – und meiden sie“ – dieser oft gehörte Satz hat zwar einen gewissen Wahrheitsgehalt, ist aber in der Realität oft genug außer Kraft gesetzt, wie die durchaus häufigen Meldungen über vergiftete Pferde beweisen. Aber warum ist das so – weshalb kommt es dazu, dass Pferde giftige Pflanzen aufnehmen und dadurch schwere gesundheitliche Schäden erleiden?

Wissenschaftlich ist diese Frage inzwischen weitgehend geklärt – und zwar durch die exzellente Studie der Wissenschaftlerin Sabine Aboling vom Institut für Tierernährung der Tierärztlichen Hochschule Hannover in Deutschland aus dem Jahr 2023. Aboling kam nach umfassenden Recherchen und Analysen zu dem Ergebnis: Eine Vergiftung domestizierter Tiere durch den Verzehr giftiger Pflanzen auf ihrer Weide ist fast immer auf Hunger zurückzuführen. Die ihrer Untersuchung zugrundeliegenden Daten zeigen, dass schwere gesundheitliche Probleme oder tödliche Vergiftungen durch giftige Pflanzenarten praktisch immer als natürliche, ja banale Folge des Verzehrs von allem Verfügbaren – unabhängig von der Qualität oder Verträglichkeit – auftreten. So sind Vergiftungen am häufigsten mit einer eingeschränkten Futterauswahl verbunden (24,7 %), gefolgt von Überweidung (12,9 %), saisonalem Futtermangel (10,6 %) und gleichzeitigem Verzehr von Gras (4,7 %).

Dieses Resümee unterstreicht nicht nur die Bedeutung einer nachhaltigen, pferdegerechten Weidebewirtschaftung, sondern sollte für PferdebesitzerInnen auch Anlass sein, mögliche Vergiftungs-Quellen auf seinen Koppeln und Weideflächen (und deren näherem Umfeld) so gut es geht hintanzuhalten und im Idealfall zu eliminieren. Dazu muss man freilich wissen, welche Pflanzen für Pferde giftig oder zumindest problematisch sind – und dabei kann man gewisse Arten und Gattungen leider leicht übersehen: Auch gewissenhafte PferdebesitzerInnen wissen – und erkennen – eben nicht alles ….




Der Scharfe Hahnenfuß ist vor allem in Mitteleuropa weit verbreitet und ist für Pferde, aber auch für Rinder giftig. Foto: Christian Fischer/Wikipedia

Ein gutes Beispiel für eine Giftpflanze, die nur selten im Fokus der Pferde-Öffentlichkeit steht, ist der Hahnenfuß – in manchen Regionen auch als Butterblume bezeichnet. Der bringt mit seinem leuchtenden Gelb zwar Farbe ins Feld, enthält aber auch den giftigen Stoff Ranunculin. Dieses milde Gift reizt in der Regel nur die Mundschleimhaut, kann aber bei übermäßigem Verzehr auch die Schleimhaut im Darmtrakt schädigen. Pferde, die Hahnenfuß gefressen haben, können Koliken oder Durchfall entwickeln. Hahnenfußgewächse sind für Pferde – glücklicherweise – nicht besonders appetitlich und verursachen trotz ihres häufigen Vorkommens eher selten Probleme.

Ein weiteres Beispiel, auf das die Ernährungsspezialistin und Tierärztin Page Mauk in einem Beitrag auf der Plattform TheHorse.com hinwies, ist Ampfer, ein kräftiges Unkraut, das in rauem Klima und auf überweideten Grünflächen besonders gut gedeiht. Ampfer enthält hohe Mengen an giftigen Nitraten und Oxalaten. Für Pferde besonders bedenklich sind die Oxalate, die Kalzium und Magnesium binden und so die Muskelkontraktion beeinträchtigen. Häufige klinische Symptome sind Muskelzuckungen und -schwäche, am stärksten gefährdet sind jedoch Zwerchfell und Herz. Oxalate reichern sich mit der Zeit auch in den Nieren an und schädigen die Nierentubuli. Im Gegensatz zu anderen giftigen Pflanzen behält Ampfer seine toxische Wirkung auch im getrockneten Zustand, weshalb er im Heu nicht als unbedenklich gilt.

Pferde sollten außerdem Kirschbäume (und auch zahlreiche andere Steinobstbäume) meiden, etwa Wildkirschen, Traubenkirschen, Schwarzkirschen und Feuerkirschen. Die Früchte sind zwar unbedenklich und wohlschmeckend, doch Kerne, Stiele, Blätter, Rinde und Zweige enthalten Cyanoglycoside. Beim Verzehr wandelt sich das Cyanoglycosid in Cyanid (Blausäure) um, das sich an das Eisen in den roten Blutkörperchen bindet und die Sauerstoffversorgung des Gewebes verhindert. Bei Rindern verstärkt der Pansen die Umwandlung in Cyanid, was diese Blätter weitaus gefährlicher macht. Vergiftungen treten bei Pferden auf und sind aufgrund des schnellen Einsetzens sehr schwer zu behandeln. Die klinischen Anzeichen reichen von leuchtend rotem Zahnfleisch und beschleunigter Atemfrequenz bis hin zu akuter und schwerer Ataxie (Koordinationsstörungen) und Verwirrtheit. Es ist erwähnenswert, dass das Cyanoglycosid verschwindet, sobald die Blätter vollständig getrocknet sind. Kirschblätter im Heu gelten daher als unbedenklich.

Walnuss- und Schwarznussbäume sind auch in unseren Breiten anzutreffen. Diese Bäume enthalten Juglon, ein starkes Gift, das die Durchblutung beeinträchtigt. Der Verzehr von Rinde, Blättern, Nüssen oder Wurzeln dieser Bäume kann zu Koliken, Hufrehe und sogar zum Tod führen. Das Juglon-Toxin ist bei Pferden so stark, dass schon einfacher Kontakt zu schweren Vergiftungen führen kann. Am häufigsten kommen Pferde damit in Kontakt, wenn frisches Schwarznussholz in die Einstreu eingearbeitet wird. Pferde, die dem Gift ausgesetzt sind, können schnell Hufrehe entwickeln, oft zusammen mit erheblicher Vaskulitis und Gliedmaßenschwellungen.

Dies sind nur einige wenige Beispiele für hierzulande vorkommende Pflanzen, von denen man seine Pferde besser fernhalten sollte. Die gute Nachricht ist aber, dass Pferde die meisten giftigen Pflanzen im Allgemeinen als unappetitlich und wenig schmackhaft empfinden. Pferde meiden in der Regel die meisten dieser Pflanzen, wenn ihnen ausreichend anderes Futter zur Verfügung steht: Hahnenfuß und Ampfer beispielsweise schmecken äußerst bitter, daher machen Pferde meist einen großen Bogen um diese Pflanzen. Sind die Flächen aber stark überweidet oder räumlich eingegrenzt, kann es passieren, dass Pferde aus Mangel an Grünfutter auch den Hahnenfuß nicht mehr verschmähen.

Der Schlüssel zur Vermeidung von Problemen mit giftigen Pflanzen ist daher eine verantwortungsvolle Weidebewirtschaftung. Überweidung ist der Hauptgrund für Unkrautwachstum auf Weiden und dafür, dass Pferde Futter außerhalb ihrer normalen Ernährung fressen. Ein weiterer wichtiger Bestandteil der Weidebewirtschaftung ist das Entfernen abgefallener Äste. Achten Sie nach starkem Wind oder Sturm nicht nur auf Äste, die Zäune beschädigen, sondern auch auf abgefallene Äste auf Weiden, die für Pferde wie ein leckerer Snack oder ein interessantes Kauspielzeug aussehen könnten. Aufmerksamkeit ist in jedem Fall der Schlüssel zur Pferdepflege. Achten Sie daher auf klinische Anzeichen von Vergiftung und rufen Sie bei Verdacht sofort Ihren Tierarzt an.

Quelle
LG Kathi
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