ich habe heute die Diagnose bekommen, dass mein Pferd Cushing hat. Er ist bereits 27, Haflinger und noch sehr fit für sein Alter. Ich habe ihn seit ich 8 bin, er ist ein Jahr jünger als ich.
Leider bin ich noch etwas orientierungslos und habe einige Fragen zu unserer Diagnose, da sie doch sehr überraschend kam.
Wir hatten bereits vor einem Jahr auf Cushing testen lassen (August 2019), hier habe ich leider keine Werte mehr vorliegen, die Tierärztin meinte sie lagen im oberen Grenzbereich, aber noch okay, ich solle in einem Jahr nochmal nachprüfen und mein Pferd gut beobachten. ich schreibe einfach mal so was mich beschäftigt.
zum Hintergrund: Ich habe immer viel mit ihm trainiert und ihn sehr schlank gehalten, er war nie krank und immer top in Form. Er war schon immer ein kleiner Wookie im Winter und für sein Training wurde er jährlich Ende Oktober geschoren (Jagdschnitt), da er viel schwitzte (Marke sehr nervös). Im Frühjahr 2019 hatte ich dann zum ersten Mal das Gefühl dass er älter wird. Er wurde ruhiger beim Reiten, sogar etwas faul, und in diesem Zeitraum ist leider auch sein bester Freund gestorben und die restlichen Freunde in seiner Pferdegruppe umgezogen, was ihm sehr zugesetzt hat. Aufgrund eines Sehnenanrisses konnte ich ein halbes Jahr nicht reiten, er bekam einen Senkrücken, der Fellwechsel ging nicht mehr so gut und er wurde auch deutlich schlanker, als er in den Jahren zuvor war, allerdings ich bin davon ausgegangen, dass das auch einfach am Alter liegt. Damit er wieder eine stabile Pferdefreundschaft aufbauen kann und die Weide/Paddockzeiten im derzeitigen Stall sehr überschaubar wurden (am Ende maximal 2 Stunden, sonst Box), habe ich mich schweren Herzens dazu entschieden ihn nochmals umzustellen, nachdem seine Sehne wieder vollständig verheilt war. Er wurde dann in eine stabile Herde mit älteren Pferden eingegliedert, 9 Stunden Weidezeit im Sommer und 4 Stunden Paddock im Winter, nachts natürlich Box- Die Umstellung fiel ihm anfangs auch durch den veränderten Tagesablauf schwer, allerdings konnte ich auch beobachten dass er durch die vermehrte Bewegung wieder fitter wurde (Rückenmuskulatur wurde schnell wieder aufgebaut) und er sich sichtlich freute andere Pferde um sich zu haben, mit denen er spielen und Fell kraulen konnte. Er wurde vom Wesen her wieder "der Alte".
Im jetzigen Stall wird sehr gut gefüttert, da es allerdings den ganzen Sommer sehr trocken war und relativ wenig Gras zur Verfügung stand, wurde er nur unmerklich "dicker" und ich war auch eigentlich froh dass er wieder ein bisschen zunahm. Aufgrund von ein paar Zipperlein in Folge (Zerrung rechte Schulter, Hufgelenksentzündung, Zerrung Knie -> er kann sich auf der Weide gut "selbst motivieren") konnte er bereits seit einem Jahr nun nicht richtig trainiert werden und ich habe alles getan um ihm trotzdem genug Bewegung zu ermöglichen (im Schritt eben, mindestens 1 Stunde am Tag strammes Spazieren, Gymnastizieren, Bodenarbeit etc... er arbeitet sehr gerne und ich auch mit ihm). Dann kam der Regen und die Koppeln haben sich nochmal richtig gut erholt- mein Oldie ist explodiert. Er hat sehr gute Hufe und unser Intervall beim Schmied ist ca 8 Wochen, nach 5 Wochen musste ich aufgrund des starken Hornwachstums den Termin vorverschieben. Meine Physio machte mich dann darauf aufmerksam dass er an einigen ungünstigen Stellen Fett angesetzt hatte, an welchen er eigentlich noch nie welches hatte (Weidebauch war schon immer ein bisschen ausgeprägter): Fettkamm, "Oberbauch", hinter der Schulter und auf der Kruppe. Sein Haarkleid war eigentlich unverändert (hatte schon immer längere Haare am Bart und an den Hinterbeinen). Sie empfahl mir navalis corticosal, das ich ihm zufüttern sollte und ich solle ihm im Auge behalten. Vor einer Woche habe ich dann einen Bluttest machen lassen (leichtes Husten)und sein Glukosewert war erhöht (lag bei 130), alle anderen Parameter waren top (großes Blutbild). Die Tierärztin empfahl mir sofort ein Reheprofil machen zu lassen (Verdacht auf Cushing oder EMS)und die Portionierung von Heu (Kraftfutter hat er sowieso so gut wie nie bekommen, Hafer war aufgrund seines Temperaments absolut tabu) auf 7kg am Tag (er wiegt zw. 450 und 500kg, letztes Wiegen war 2016 mit 460kg, Zähne einwandfrei). Er steht auf Stroh. Tagsüber auf dem Paddock steht den Pferden ebenfalls eine Raufe mit Stroh zur Verfügung, auf die sich jetzt keiner wirklich stürzt aber ab und an wird dann doch geknabbert.
unsere Blutergebnisse sind: 55 ACTH und 9 Insulin. Glukose bei 103.
zur Therapie: ich soll die nächsten sechs Wochen navalis corticosal füttern (höhere Dosis als ich davor gefüttert hatte) und dann nochmals ein Profil machen lassen (1/4 Tablette Prascend wäre dann der Start, sofern der ACTH Wert nicht gesunken ist).
ich bin mir sehr unsicher und hatte schon viele schlaflose Nächte, da der ACTH Wert ebenfalls erhöht ist wenn das Pferd Stress hat und ich mir auch vorstellen kann, dass das von der Umstellung kommt (es gibt eben auch Pferde die mein Pferd nicht mögen und ab und zu die Ohren anlegen, er ist sehr "behütet" aufgewachsen. Schläger gibt es in unserer Herde nicht, aber er spielt viel mit den anderen, was auch dem Stressabbau dienen kann, er geht hierfür aktiv auf die Pferde zu) bzw. von den aufeinander folgenden Verletzungen (siehe oben), die zwar immer gleich behandelt und gut auskuriert wurden (der Tierarzt kommt bei mir eher zu früh als zu spät), aber er hatte eben auch leichte Schmerzen bis es wieder geheilt war. Zudem finde ich es persönlich auch sehr seltsam dass viele Pferde Cushing haben und das alles auf eine Fehlfunktion der Hypophyse (soweit ich das richtig verstanden habe) zurückzuführen sein soll (altersbedingt oder genetisch).
Desweiteren hatte ich mir bei der Umstellung keine Sorgen gemacht dass mein Pferd die lange Weidezeit nicht vertragen könnte, da ich davon ausgegangen bin dass er relativ schlank bleiben würde aufgrund seines "älteren Stoffwechsels". Hinterher ist man immer schlauer.
Nun stellt sich mir die Frage und ich würde hier einfach gerne etwas vorfühlen, da es vermutlich davon abhängt wie sich die Werte und seine Fettpolster in nächster Zeit entwickeln (je nach Therapie): besteht die Möglichkeit dass eine Pferd (Robustrasse) mit Cushing 9 Stunden Weide verträgt? Wir haben ein weiteres Cushing-Pferd im Stall (Warmblüter), und die Weiden sind nicht gerade karg...Da er relativ rangniedrig ist würde ich ihm ungern einen Maulkorb auf der Weide verpassen, aber eine weitere Umstellung wäre auch nicht optimal, eine Verringerung der Weidezeit wird in unserem Stall nicht angeboten (morgens rein, abends raus)... #alles.doof
wäre schön wenn ihr eure Erfahrungen mit mir teilen könntet, damit ich mich schonmal auf unterschiedliche Eventualitäten vorbereiten kann (soweit man das eben kann
danke und viele Grüße

