Hufrehe ECS EMS Borreliose

Unabhängiges Hufrehe Forum um die Pferdekrankheiten Hufrehe, Metabolisches Syndrom, Cushing Syndrom, Borreliose und weiteren Erkrankungen vom Pferd, Pony, Esel und Muli
Aktuelle Zeit: 17.11.2018, 14:34

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde




Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 1 Beitrag ] 
Autor Nachricht
BeitragVerfasst: 16.10.2017, 12:30 
Offline
Administrator
Benutzeravatar

Registriert: 24.02.2012, 15:47
Beiträge: 8654
eff-eins hat geschrieben:
Sandaufnahme bei Pferden
Werden Pferde auf der Weide oder auf Paddocks gehalten, besteht die Möglichkeit, dass die Tiere über
das Gras oder zugegebenes Futter mehr oder weniger große Mengen Sand und Erde aufnehmen. Diese
können das Transportvermögen und damit die Ausscheidungskapazität des Gastrointestinaltraktes
überfordern, die Darmschleimhaut irritieren und damit eine Störung der Motilität herbeiführen. Daraus
resultierende Sand- oder Erdakkumulationen im Kolon begünstigen das Entstehen der so genannten
Sandkolik. Meist sind dabei die linke ventrale sowie die rechte dorsale Längslage des großen Kolons
betroffen, wobei das Lumen der betroffenen Darmabschnitte bis hin zu einer Obstipation verlegt werden
kann. Die für die Ausbildung von klinischen Symptomen erforderliche Menge des angeschoppten
Materials variiert von Pferd zu Pferd und kann somit nicht manifestiert werden. Ebenso ist nicht bekannt,
ob bei gegebenen Voraussetzungen die Aufnahme von Sand bei allen Pferden einer Herde zur
Anschoppung führt (Bertone et al. 1988). In Studien zur fäkalen Sandausscheidung konnte bei 56,4%
der 211 untersuchten Pferde (Isländer) aus insgesamt 19 Gestüten Sand im Kot nachgewiesen werden
(Husted et al. 2005). Die klinischen Symptome variieren ebenfalls, wobei Diarrhöen, infolge der
herabgesetzten Motilität, sowie Koliken am häufigsten zu beobachten sind (Bertone et al. 1988;
Ruohoniemi et al. 2001).
Diagnostische Maßnahmen reichen von rektaler Palpation und abdominaler Auskultation über
Ultraschall und Rötgenaufnahmen des Abdomens bis hin zur Kotuntersuchung. Letztere stellt eine
diagnostisch einfache und effiziente Methode dar, bei welcher mittels Aufschwemmung und
nachfolgender Sedimentation des Kotes eventuell enthaltene Sandfraktionen festgestellt werden können.
Dabei gelten Mengen von mindestens 5 mm Sediment (Suspension aus 200 g Kot in 1 Liter Wasser) als
Minimum, um Sand als mögliche Ursache von gastrointestinalen Störungen zu determinieren
(Husted et
al. 2005). Auch chemische Untersuchungen des Kotes auf den Gehalt an Rohasche (übliche Gehalte ca.100 g/kg TS) bzw. Salzsäure unlöslicher Asche (entspricht Sand) können hilfreich sein.
Risikofaktoren
Als Risikofaktoren gelten geographische Gegebenheiten mit dem Vorkommen von sandigen Böden
sowie Fütterungs- (Fütterung vom Boden, verschmutztes Futter) und Haltungsbedingungen (Haltung auf
Sandpaddocks). Weiterhin zu erwähnen sind Hitzeperioden mit nachfolgend trockenen Koppeln,
Weidehaltung auf Schwemmland sowie Nährstoffmangel.
Diätetik und Prophylaxe
Bei Verdacht oder aufgetretener Sandaufnahme sollte die Aufnahme weiterer Sandmengen
baldmöglichst unterbunden werden. Betroffene Pferde müssen primär mit leicht fermentierbaren,Pferd – Fütterung des equinen Patienten Klein & Coenen
148
qualitativ hochwertigen und sauberen Futtermitteln versorgt werden. Hierzu eignen sich vor allem Heu
bester Qualität, z. B. blattreiches Heu des ersten Schnittes, Heulagen oder Grassilgen.
Hartstengelige und schwer fermentierbare Futtermittel ebenso wie die Aufnahme von Stroh aus der
Einstreu sollten unbedingt vermieden werden, um den ohnehin in seiner Motilität eingeschränkten Darm
nicht noch zusätzlich zu belasten. Weiterhin können natürliche Schleim- und Quellstoffe aus Hafer und
Leinsamen sowie Weizenkleie und Flohsamen (Semen Psyllii) unterstützend eingesetzt werden. Diese
wirken als schwache Laxantien, vergrößern das Ingestavolumen und bewirken damit eine Dehnung der
Darmwand mit nachfolgender Steigerung der Peristaltik. Die Aufnahme erfolgt mit Flüssigkeit oder
bereits vorgequollen. Leinsamen können ungekocht und geschrotet in Mengen von 120 g an adulte
Pferde verfüttert werden. Höhere Mengen müssen vor dem Verfüttern 10 Minuten gekocht werden, um
die Zerstörung des Blausäure-freisetzenden Enzyms β-Glucosidase zu gewährleisten. Weizenkleie wird
in Dosierungen von 0,2 kg/100 kg KM gut akzeptiert. Sehr oft wird auch der Einsatz von Flohsamen
(Semen Psyllii) empfohlen. Hierbei handelt es sich um Samenschalen von Flohwegerich (Plantago afra)
oder Indischem Flohsamen (Plantago ovata). Flohsamen weist ein höheres Quellvermögen als Leinsamen
oder Weizenkleie auf und kann in einer Dosierung von 1 g/kg KM oral verabreicht werden
(Ungemach 2006). Die Fütterung sollte sich je nach Schweregrad der Sandanschoppung über 1 bis 3
Wochen erstrecken und kann auch als prophylaktische Maßnahme aller 6 Monate für 3 bis 4 Wochen
durchgeführt werden (Edens & Cargile 1997). Die Wirksamkeit von Flohsamen wird allerdings kontrovers
diskutiert. Bei Untersuchungen zur Effizienz von Flohsamen wurde den Versuchstieren (12 Ponys, 6
Versuchstiere, 6 Kontrolltiere) eine definierte Menge Sand (10 g/kg KM) chirurgisch in das Caecumverbracht. Nach 11-tägiger Behandlungsdauer (mit/ohne Flohsamen) und anschließender Rückgewinnung
des Sandes aus dem Darminhalt der euthanasierten Tiere konnten keine positiven Effekte
bezüglich der Eliminierung von Sand aus dem Darm belegt werden (Hammock et al. 1998), Tabelle 1.
Auch aus anderen Studien geht hervor, dass die Verabreichung von Flohsamen keinesfalls den
erwarteten Wirkungen entspricht. So erscheint einzig und allein die Fütterung von Heu als adäquate
Maßnahme, um Sand aus dem Gastrointestinaltrakt zu befördern. Dabei konnten für die Gabe höherer
Heumengen (2,5% der KM vs. 1,5% der KM) die größten Effekte nachgewiesen werden
(Lieb und Weise
1997), Tabelle 2.
Große Bedeutung liegt aber vor allem in der Vermeidung und Prophylaxe der Sandaufnahme. Daher
ist es ratsam, Pferden, welche auf Koppeln mit spärlichem Bewuchs gehalten werden, Raufutter in
entsprechenden Vorrichtungen anzubieten. Gleiches gilt für die Fütterungspraxis auf Paddocks.
Tabelle 1: Behandlungsschema und zurück gewonnene Sandmengen (%) von Versuchs- und
Kontrollgruppe 11 Tage nach intracaecaler Sandverabreichung
(modifiziert nach Hammock et al. 1998)
Gruppe caecale
Sandmenge Versuchsfutter zurück gewonnene Sandmengen Kontrollgruppe
(n=6)
10 g/kg KM Mischfutter (1 g/kg KM) (n=6) 27,4%
Versuchsgruppe
(n=6)
10 g/kg KM Mischfutter (1 g/kg KM)
+Flohsamenpellets (1 g/kg KM) (n=3)
+Flohsamenpuder (1 g/kg KM) (n=3)
39,2%+Flohsamenpuder (1 g/kg KM) (n=3)
39,2%
Pferd – Fütterung des equinen Patienten Klein & Coenen
149
Tabelle 2: mittlere Sandausscheidung (g) bei verschiedenen Fütterungsstrategien (modifiziert nach
Lieb und Weise 1997)
Versuchsfutter verabreichte Sandmenge (per Nasenschlundsonde) mittlere Sandauscheidung im Kot

Heu (1,5% des KG), 6 Tage 300 g 146 g
Heu (2,5% des KG), 6 Tage 300 g 285 g
Flohsamen (0,5 g/kg KG), 1x/d, 6 Tage 300 g 177 g
Flohsamen (0,25 g/kg KG), 2x/d, 6 Tage 300 g 134 g


Keinesfalls sollten Futtermittel hier direkt vom Boden an die Tiere verfüttert werden. Bei Fütterung der
Pferde direkt vom Boden auf Paddocks ohne oder mit spärlichem Bewuchs konnte ein signifikant
erhöhtes Risiko für vermehrte Sandaufnahme beobachtet werden (Husted et al. 2005). Grundsätzlich
sollte auf spärlich bewachsenen Paddocks stets zugefüttert werden, da keine Fütterung auf solchen
Paddocks die Sandaufnahme ebenfalls signifikant steigert (Husted et al. 2005).
Des Weiteren bedarf es einer adäquaten Salz- und Mineralstoffversorgung, da Mangelerscheinungen
bei einigen Pferden geophagisches Verhalten auslösen können und somit eine Prädisposition für
Sandanschoppungen im Gastrointestinaltrakt darstellen.
Quelle:
http://www.vetmed.uni-leipzig.de/blaue- ... /Pferd.pdf

_________________
LG Kathi
Hier gehts zum EMS- ECS- Hufrehe ABCBitte erstellt bei Cushingpferden einen ACTH sowie IR Verlauf als extra Thema mit Laborergebnissen (wenn vorhanden), der aktuellen Fütterung unter denen die Werte ermittelt wurden und aktualisiert diesen immer damit man darauf jederzeit Zugriff hat, Fragen gezielt beantworten und wertvolle Zeit für den Patienten wegen Rückfragen einsparen kann. Bild

Antons ECS Datenblatt--------Hermines ECS Datenblatt
Antons ECS-Tagebuch---------Hermines ECS-Tagebuch
Antons Diskussion-------------Hermines Diskussion
Antons
ACTH Verlauf----------Hermines ACTH Verlauf
Bild
Tierschutz ist kein Anlass zur Freude sondern eine Aufforderung sich zu schämen dass wir ihn überhaupt brauchen

Kooperation Mensch und Tier e.V. KOMET Hilfe für Pferde in Not & Tiergestützte Pädagogik


Nach oben
 Profil Position des Users auf der Mitgliederkarte  
Mit Zitat antworten  
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:  Sortiere nach  
Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 1 Beitrag ] 

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde


Wer ist online?

0 Mitglieder


Ähnliche Beiträge

wird ECS durch Streß verschlimmert?
Forum: Fragen zum Equinen Cushing Syndrom / ECS
Autor: susi3011
Antworten: 16
Stalki - oder: wie man adoptiert wird!
Forum: Tierische Geschichten
Autor: eff-eins
Antworten: 243
Wodurch wird Cushing "ausgelöst"?
Forum: Kritische Gedanken u. Diskussionen
Autor: Jinie
Antworten: 0
wenn Zwei sich trauen...dann wird geheiratet
Forum: off topic - Grüße und mehr
Autor: eff-eins
Antworten: 5
Donnerstag wird getestet!
Forum: Wir stellen uns vor
Autor: Mira1990
Antworten: 1

Du darfst keine neuen Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst keine Antworten zu Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht ändern.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du darfst keine Dateianhänge in diesem Forum erstellen.

Suche nach:
Gehe zu:  
cron
Powered by phpBB® Forum Software © phpBB Group



Hosted by iphpbb3.com

Impressum | Datenschutz