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Link Studie zur Höhe ACTH Jahreszeit und Rasse

Verfasst: 14.02.2026, 08:14
von schnulli
https://www.propferd.at/main.asp?VID=1& ... 13&scsqs=1
Equines Cushing: Darum ist die Diagnose so schwierig
12.02.2026 / News
Hypertrichose – also ein abnormes oder übermäßiges Haarwachstum – ist ein häufiges Symptom bei equinem Cushing.
Hypertrichose – also ein abnormes oder übermäßiges Haarwachstum – ist ein häufiges Symptom bei equinem Cushing. / Symbolfoto: Uschi Haller
Pferde mit equinem Cushing weisen erhöhte Werte des Hormons ACTH auf, weshalb Tierärzte häufig einen ACTH-Basistest zur Diagnose der Erkrankung verwenden. Doch immer mehr Studien zeigen: Die ACTH-Werte können bei Pferden und Ponys stark schwanken und schwierig zu interpretieren sein.


Das equine Cushing-Syndrom (ECS, englisch: pituitary pars intermedia dysfunction = PPID) ist eine häufige endokrine Störung, die vorwiegend ältere Pferde betrifft. Schätzungen zufolge sind zwischen 15 % und 25 % der Pferde und Ponys ab 15 Jahren betroffen.

Als Hauptursache der Erkrankung gilt eine Überfunktion in einem spezifischen Bereich der Hiranhangsdrüse (Adenohypophyse), meist ausgelöst durch einen gutartigen Tumor. Infolgedessen kommt es zu einer Überproduktion verschiedener Hormone, darunter des adrenocorticotropen Hormons (ACTH), was in weiterer Folge zu einer Überproduktion von Cortisol in der Nebenniere führt. Das Hormon Cortisol wiederum beeinflusst zahlreiche Stoffwechselfunktionen, das Herz-Kreislaufsystem und das Immunsystem. Cortisol stört den Proteinstoffwechsel, die Insulinproduktion wird gedrosselt, der Blutzuckerspiegel steigt. Dadurch entstehen schleichend verschiedene, zum Teil lebensbedrohlichen Gesundheitsstörungen.

Obwohl PPID fortschreitend und derzeit unheilbar ist, können eine frühzeitige Diagnose und eine angemessene Behandlung das Fortschreiten der Erkrankung deutlich verlangsamen und das Wohlbefinden des Pferdes verbessern.

Die klinischen Anzeichen von PPID sind vielfältig und können sich sehr langsam entwickeln, weshalb sie oft erst in einem fortgeschrittenen Stadium bemerkt werden. Häufige Indikatoren sind etwa Hypertrichose (abnormes oder übermäßiges Haarwachstum), ein verzögerter oder unvollständiger Fellwechsel, Lethargie, Gewichtsverlust und Stoffwechselstörungen. Eine der schwerwiegendsten Begleitkomplikationen ist die Hufrehe, die die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen und lebensbedrohlich werden kann. Aufgrund der variablen klinischen Symptome sind häufig diagnostische Tests erforderlich, um den klinischen Verdacht zu bestätigen.

Die Messung der basalen ACTH-Plasmakonzentration ist ein weit verbreitetes primäres Diagnoseinstrument für Equines Cushing. Doch immer mehr Untersuchungen zeigen, dass die korrekte Interpretation der ACTH-Werte bei Ponys und Pferden äußerst komplex und diffizil ist, da die Konzentrationen von vielen verschiedenen Faktoren – darunter Jahreszeit, Breitengrad, Fütterung, Stress, Bewegung und sonstige Krankheiten – beeinflusst werden können.

Markante saisonale Schwankungen

Auch saisonale Schwankungen sowie rassepezifische Unterschiede haben Einfluss auf die ACTH-Werte, wie eine kürzlich in den USA durchgeführte Studie, an der ForscherInnen der Cornell Universität, der Universität von Kalifornien und weitere niedergelassene Tierärzte beteiligt waren, bestätigt hat. Die WissenschaftlerInnen untersuchten dabei die basalen ACTH-Konzentrationen bei gesunden Equiden (im konkreten Fall Esel, Miniatur-Esel und Esel-Pferd-Hybride, sprich: Maultiere bzw. Maulesel) zu verschiedenen Jahreszeiten und in verschiedenen Regionen der USA.

Blutproben wurden von Juni bis November 2019 zweimal monatlich und von Dezember 2019 bis Mai 2020 monatlich entnommen. Die Ergebnisse zeigten einen deutlichen saisonalen Anstieg der ACTH-Konzentrationen in allen Gruppen. Die Werte stiegen ab Mitte August an und erreichten Ende September ihren Höhepunkt. Die durchschnittlichen ACTH-Konzentrationen während der Spitzenwerte lagen bei Standard-Esel bei etwa 109,6 pg/ml, bei Miniatur-Esel bei 134,6 pg/ml und bei Hybriden bei 100,8 pg/ml.

Auffällig war, dass Hybride das ganze Jahr über durchgehend niedrigere ACTH-Konzentrationen aufwiesen als Esel. Während des saisonalen Höhepunkts lagen die ACTH-Werte bei Hybriden 23 % niedriger als bei Eseln und 51 % niedriger als bei Miniatur-Esel. Ähnliche Unterschiede zeigten sich auch außerhalb der Spitzenzeiten, wobei Hybriden im Vergleich zu beiden Eselgruppen eine Reduktion von etwa 30 % aufwiesen.

Insgesamt verdeutlichen die Ergebnisse wichtige artspezifische Unterschiede, welche die diagnostische Interpretation beeinflussen können, so das Resümee der AutorInnen.

Unterschiede von Rasse zu Rasse

Schon eine Untersuchung aus dem Jahr 2023 hat saisonale Schwankungen bei den ACTH-Werten aufgezeigt – und zudem auf rassepezifische Unterschiede in den ACTH-Konzentrationen hingewiesen: An der Untersuchung unter der Leitung von Dr. Nicholas Bamford, Dozent an der Melbourne Veterinary School in Victoria (Australien), nahmen 399 gesunde Pferde und Ponys teil – dies waren 127 Vollblüter, 131 Shetlandponys und 141 Nicht-Shetlandponys (hauptsächlich Welsh-Ponys oder Ponys vom Welsh-Typ). Keines der Tiere zeigte Lahmheit oder klinische Anzeichen von PPID oder hatte in der Vergangenheit PPID-bedingte Behandlungen erhalten. Von jedem Pferd wurden zwei Blutproben analysiert: eine innerhalb von zwei Wochen nach der Herbst-Tagundnachtgleiche (da Studien gezeigt haben, dass der ACTH-Spiegel im Herbst unabhängig vom PPID-Status ansteigt) und eine innerhalb von drei Wochen nach der Frühjahrs-Tagundnachtgleiche.

„Unsere Studie bestätigte, dass Ponys, insbesondere Shetlandponys, im Herbst deutlich höhere ACTH-Werte aufweisen als Vollblüter, während die ACTH-Werte im Frühjahr rasseübergreifend ähnlich sind“, so Dr. Bamford gegenüber dem Portal TheHorse.com. Dies deute darauf hin, dass Tierärzte bei der Interpretation von Testergebnissen, insbesondere bei Ponys im Herbst, besonders vorsichtig sein sollten.

„Da auch gesunde Ponys im Herbst hohe ACTH-Werte aufweisen können, sollte die ACTH-Messung nur bei klinischem Verdacht auf PPID durchgeführt werden, der weitere Untersuchungen erfordert“, so Dr. Bamford. „Die ACTH-Messung im Rahmen einer allgemeinen Gesundheitsuntersuchung bei einem Pony ohne klinische Anzeichen von PPID kann problematisch sein, da ein einmaliger hoher ACTH-Wert bei einem ansonsten gesunden Pony im Herbst schwer zu interpretieren ist. Wird im Herbst ein hoher ACTH-Wert bei einem Pony festgestellt, empfiehlt sich eine Kontrolluntersuchung im Frühjahr, um zu bestätigen, dass die ACTH-Werte weiterhin erhöht sind.“

Insgesamt zeigt die bisherige Forschung, dass für eine korrekte Diagnose von Equinem Cushing neben der klinischen Untersuchung auch die sorgfältige Berücksichtigung saisonaler Schwankungen, artspezifischer Unterschiede und rassespezifischer Prädispositionen unbedingt erforderlich ist. Ein besseres Verständnis der normalen ACTH-Schwankungen bei gesunden Equiden erhöht die diagnostische Genauigkeit und unterstützt ein effektiveres Management dieser häufigen und für das Tierwohl bedeutsamen endokrinen Störung.

Die Studie „Both Season and Equid Type Affect Endogenous Adrenocorticotropic Hormone Concentrations in Healthy Donkeys, Mules and Hinnies in the United States" von Erin L. Goodrich, Sebastián Gonzalo Llanos-Soto, Renata Ivanek, Toby Pinn-Woodcock, Elisha Frye, Amy Wells, Stephen R. Purdy, Emily Berryhill und Ned J. Place ist am 16. Jänner 2026 in der Zeitschrift ,animals' erschienen und kann in englischer Kurzfassung hier nachgelesen werden.

Die Studie „Investigation of breed differences in plasma adrenocorticotropic hormone concentrations among healthy horses and ponies" von N. J. Bamford, A. J. Stewart, C. M. El-Hage, F. R. Bertin und S. R. Bailey ist im Juli 2023 in der Zeitschrift ,The Veterinary Journal' erschienen und kann in englischer Kurzfassung hier nachgelesen werden.