Wie lange lässt man ein Tier leiden
Verfasst: 19.01.2021, 16:41
Moin ihr Lieben,
muss mal etwas loswerden, vielleicht geht es anderen ähnlich.
Mein treuer Gefährte, der mich 20 Jahre begleitete, hat heute sein letzte Fahrt im Lkw der Tierbeseitigung angetreten. Schon das ist und war immer eine Horror Vorstellung.
Das und vieles mehr ließ mich immer wieder das Unvermeidliche hinauszögern. Angefangen hat es am 11.12 mit dem Verdacht auf einen leichten Kreuzverschlag. Natürlich wie immer vor oder am Wochenende. Ich hab es dann erstmal mit equi probiert, aber es wurde schlimmer. Ab Montag folgte dann eine Tierartzkollone von insgesamt 5 Tierärzten, verschiedenen Diagnosen und alles an Schmerzmitteln was der Markt so hergibt. Am Ende sollte es Hufrehe auf allen vier Beinen sein. Es war schrecklich, mein Pferd schwitze sämtliche Decken durch, lag fest stöhnte vor Schmerzen. Ich stand nachts mehrfach auf, um Ketamin nachzuspritzen, immer wieder hunderte verzweifelte Blicke hinter die Stalltür, Tag und Nacht im Internet gesucht, etliche Wundermittel bestellt, an kleine Scheinerfolge geglaubt und Offensichtliches verdrängt und immer wieder noch ein Tag der Qual und Hoffnung ertragen. Bis am Samstag auch noch ein Hufgeschwür dazu kam. Sonntags lag er dann in der Scheune mit Blick in die Winterlandschaft und auf seinen Lieblingsplatz. Er lag friedlich auf der Seite und zupfte am Heu. Und auch da wieder die Frage, wäre das nicht jetzt ein schönes Ende? Doch die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt. Also musste der arme Geschundene nachmittags aufstehen, weil ich gelesen hatte, es wäre nicht gut so lange in einer Position zu liegen.
Das Hufgeschwür ging dann zwar am Montag auf, aber da konnte er sich auf den anderen überlasteten Beinen kaum noch halten. Der vorher schon bestellte Tierarzt erlöste ihn dann endlich am 18.01.
Jetzt mache ich mir Vorwürfe, weil ich vorher Probleme gesehen habe, die keine waren und ich vieles nicht schon im Vorfeld ernst genug genommen hab. Die Rehe war ja nur die Spitze des Eisbergs, am Ende war es doch Organversagen. Das sollte wirklich jeder dessen Pferd eine Rehe bekommt umgehend abklären und dann zügig eine Entscheidung für sein leidendes Tier treffen und nicht an seinen eigenen emotionalen Schmerz denken.
Ich hatte Gedanken an mein anderes Pferd, das dann alleine wäre.
Das wurde an Heiligabend gelöst, als ich ein halb verhungertes Schlachtpferd gekauft habe. Der Besitzer fragte als erstes was ich denn bezahlen würde nachdem er das Tier über 20 Jahre hatte und es nicht mal mehr gefüttert hat! Das Beistellpferd war nun da, aber da waren noch die Gedanken an das Einschläfern, wie krieg ich ihn aus den Stall und wie ist das mit dem Abholen? Und immer wieder diese Hoffnung, es könne vielleicht doch etwas anderes sein oder das es wieder werden kann. Hatte ich doch gelesen. Gesehen hatte ich schon einige Pferde mit Rehe und habe die immer sehr bedauert, weil selbst danach ist es doch nie wieder ein Leben wie vorher und teilweise alles andere als artgerechte Haltung.
Diese paar Wochen waren endlos, denn Zeiten voller Qual und Zweifel, vergehen nicht wie unbeschwerte Tage.
Alle denen es ähnlich geht, möchte ich die Angst ein wenig nehmen. Das Einschläfern war eine Erlösung. Mein Tierarzt hatte mich auch gut vorbereitet, hier nochmal Dank an ihn. Er sagte, mein Pferd hätte von den optimalen Umständen hier (großer Offenstall, sehr weich eingesteut, Tag- und Nachtbetreuung usw.) eine 99% Chance gehabt. Aber er hat von Anfang an auch immer den Tierschutz im Auge behalten und nicht unnötig herumgedoktort und ans Geld machen gedacht (oft genug bei anderen Ärzten erlebt).
Da ich im November sehr schlechte Erfahrungen beim Einschläfern meines Hundes mit T61 gemacht habe, hat er mich beruhigt und gesagt, dass er es schon lange nicht mehr verwendet. Es gibt jetzt Präparate für die nur eine Injektion nötig ist und noch bevor das Pferd zu Boden geht schon weg ist. Und genauso war es. Mein Pferd hat noch genüsslich die ihm so lange verwehrten Äpfel gefressen, während der Doktor ihm die Spitze setzte
und dann war er auch schon weg und fiel um. Sein Pferdefreund war dabei und wusste in dem Moment, dass sein Freund gegangen ist. Er rannte wiehernd und suchend auf den Hof, obwohl der Körper seines Kameraden im Stall lag.
Informiert euch bitte vorher über diese Dinge, hinterher ist es zu spät.
Danke auch an meinen lieben Bauern, der mir vorher schon gesagt hat, er zieht ihn aus dem Stall, damit er nicht mehr laufen muss.
Sogar das mit der Tierbeseitigung klappte gut, der Fahrer war sehr nett und schnell. Ich habe noch den Pass geholt und in der Zeit war er schon verladen. Ich konnte meinem geliebten Pferd noch hinterher schauen und ihm einen letzten Gruß schenken.
Jetzt bleiben nur noch die Erinnerungen an den 2 jährigen Hengst, der geschlachtet werden sollte, weil er gewebt hat, um auf seine Not aufmerksam zu machen. Ausschussware der Pferde Industrie, die mir so viel Freude und Erfolge beschert hat. Er war immer mit Eifer bei der Sache, sehr ehrgeizig und lies sich von niemandem etwas gefallen. Eine wahre Persönlichkeit, die so ein hilflos, schmerzvolles Ende nicht verdient hat.
In diesem Sinne, lasst euch nicht verunsichern, folgt eurem Instinkt und geht nicht den Leuten auf den Leim, die mit eurem und dem Leid eurer Tiere noch Geld machen wollen.
muss mal etwas loswerden, vielleicht geht es anderen ähnlich.
Mein treuer Gefährte, der mich 20 Jahre begleitete, hat heute sein letzte Fahrt im Lkw der Tierbeseitigung angetreten. Schon das ist und war immer eine Horror Vorstellung.
Das und vieles mehr ließ mich immer wieder das Unvermeidliche hinauszögern. Angefangen hat es am 11.12 mit dem Verdacht auf einen leichten Kreuzverschlag. Natürlich wie immer vor oder am Wochenende. Ich hab es dann erstmal mit equi probiert, aber es wurde schlimmer. Ab Montag folgte dann eine Tierartzkollone von insgesamt 5 Tierärzten, verschiedenen Diagnosen und alles an Schmerzmitteln was der Markt so hergibt. Am Ende sollte es Hufrehe auf allen vier Beinen sein. Es war schrecklich, mein Pferd schwitze sämtliche Decken durch, lag fest stöhnte vor Schmerzen. Ich stand nachts mehrfach auf, um Ketamin nachzuspritzen, immer wieder hunderte verzweifelte Blicke hinter die Stalltür, Tag und Nacht im Internet gesucht, etliche Wundermittel bestellt, an kleine Scheinerfolge geglaubt und Offensichtliches verdrängt und immer wieder noch ein Tag der Qual und Hoffnung ertragen. Bis am Samstag auch noch ein Hufgeschwür dazu kam. Sonntags lag er dann in der Scheune mit Blick in die Winterlandschaft und auf seinen Lieblingsplatz. Er lag friedlich auf der Seite und zupfte am Heu. Und auch da wieder die Frage, wäre das nicht jetzt ein schönes Ende? Doch die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt. Also musste der arme Geschundene nachmittags aufstehen, weil ich gelesen hatte, es wäre nicht gut so lange in einer Position zu liegen.
Das Hufgeschwür ging dann zwar am Montag auf, aber da konnte er sich auf den anderen überlasteten Beinen kaum noch halten. Der vorher schon bestellte Tierarzt erlöste ihn dann endlich am 18.01.
Jetzt mache ich mir Vorwürfe, weil ich vorher Probleme gesehen habe, die keine waren und ich vieles nicht schon im Vorfeld ernst genug genommen hab. Die Rehe war ja nur die Spitze des Eisbergs, am Ende war es doch Organversagen. Das sollte wirklich jeder dessen Pferd eine Rehe bekommt umgehend abklären und dann zügig eine Entscheidung für sein leidendes Tier treffen und nicht an seinen eigenen emotionalen Schmerz denken.
Ich hatte Gedanken an mein anderes Pferd, das dann alleine wäre.
Das wurde an Heiligabend gelöst, als ich ein halb verhungertes Schlachtpferd gekauft habe. Der Besitzer fragte als erstes was ich denn bezahlen würde nachdem er das Tier über 20 Jahre hatte und es nicht mal mehr gefüttert hat! Das Beistellpferd war nun da, aber da waren noch die Gedanken an das Einschläfern, wie krieg ich ihn aus den Stall und wie ist das mit dem Abholen? Und immer wieder diese Hoffnung, es könne vielleicht doch etwas anderes sein oder das es wieder werden kann. Hatte ich doch gelesen. Gesehen hatte ich schon einige Pferde mit Rehe und habe die immer sehr bedauert, weil selbst danach ist es doch nie wieder ein Leben wie vorher und teilweise alles andere als artgerechte Haltung.
Diese paar Wochen waren endlos, denn Zeiten voller Qual und Zweifel, vergehen nicht wie unbeschwerte Tage.
Alle denen es ähnlich geht, möchte ich die Angst ein wenig nehmen. Das Einschläfern war eine Erlösung. Mein Tierarzt hatte mich auch gut vorbereitet, hier nochmal Dank an ihn. Er sagte, mein Pferd hätte von den optimalen Umständen hier (großer Offenstall, sehr weich eingesteut, Tag- und Nachtbetreuung usw.) eine 99% Chance gehabt. Aber er hat von Anfang an auch immer den Tierschutz im Auge behalten und nicht unnötig herumgedoktort und ans Geld machen gedacht (oft genug bei anderen Ärzten erlebt).
Da ich im November sehr schlechte Erfahrungen beim Einschläfern meines Hundes mit T61 gemacht habe, hat er mich beruhigt und gesagt, dass er es schon lange nicht mehr verwendet. Es gibt jetzt Präparate für die nur eine Injektion nötig ist und noch bevor das Pferd zu Boden geht schon weg ist. Und genauso war es. Mein Pferd hat noch genüsslich die ihm so lange verwehrten Äpfel gefressen, während der Doktor ihm die Spitze setzte
und dann war er auch schon weg und fiel um. Sein Pferdefreund war dabei und wusste in dem Moment, dass sein Freund gegangen ist. Er rannte wiehernd und suchend auf den Hof, obwohl der Körper seines Kameraden im Stall lag.
Informiert euch bitte vorher über diese Dinge, hinterher ist es zu spät.
Danke auch an meinen lieben Bauern, der mir vorher schon gesagt hat, er zieht ihn aus dem Stall, damit er nicht mehr laufen muss.
Sogar das mit der Tierbeseitigung klappte gut, der Fahrer war sehr nett und schnell. Ich habe noch den Pass geholt und in der Zeit war er schon verladen. Ich konnte meinem geliebten Pferd noch hinterher schauen und ihm einen letzten Gruß schenken.
Jetzt bleiben nur noch die Erinnerungen an den 2 jährigen Hengst, der geschlachtet werden sollte, weil er gewebt hat, um auf seine Not aufmerksam zu machen. Ausschussware der Pferde Industrie, die mir so viel Freude und Erfolge beschert hat. Er war immer mit Eifer bei der Sache, sehr ehrgeizig und lies sich von niemandem etwas gefallen. Eine wahre Persönlichkeit, die so ein hilflos, schmerzvolles Ende nicht verdient hat.
In diesem Sinne, lasst euch nicht verunsichern, folgt eurem Instinkt und geht nicht den Leuten auf den Leim, die mit eurem und dem Leid eurer Tiere noch Geld machen wollen.