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Erfahrungsbericht Barhufumstellung
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Autor:  schnulli [ 07.09.2014, 20:12 ]
Betreff des Beitrags:  Erfahrungsbericht Barhufumstellung

Schon lange denke ich darüber nach, ob ich meine Erfahrungen in Sachen Barhufumstellung zur Verfügung stellen soll oder nicht. Nun habe ich eben mal wieder auf einer Barhufseite gelesen und bin nun schlussendlich zu dem Entschluss gekommen, meine/unsere Geschichte auf den Bildschirm zu bringen.

Vorweg sei gesagt, dass meine Erlebnisse in Sachen Barhuf nur meine Erfahrungen mit meinem Pferd sind und ich auf keinen Fall eine Allgemeingültigkeit in Anspruch nehmen möchte!

Ich kenne mein Pferd (Araber-Norweger-Mix, geb 1990) seit seiner Geburt. Einjährig hab ich ihn gekauft. Im seinem ersten Lebensjahr wurde an seinen Hufen meines Wissens nach nichts gemacht (großer Fehler, wie ich heute weiß). Er blieb bis ca. 4-jährig barhuf, wurde auch barhuf eingeritten, mied bei Ausritten aber Asphalt. War damals kein Problem, wir wohnten im Sandbodengebiet. Nun war zu der Zeit aber mein Wunsch, mit ihm Distanzen zu gehen. So richtig lange. Also sprach der Schmied, er brauche dafür einen Beschlag (von Hufschuhen war damals keine Rede, es gab keine). Also wurde er beschlagen und blieb dies auch bis 2007. Er lief prima, war gut drauf, rannte durchs Gelände (die Distanzen sind wir aus verschiedenen Gründen leider nie gegangen), übte mit seinen großen Kumpels den Mitteltrab im Gelände (also die Kumpels mussten den üben, er nicht :) ) und alles war prima.

Dann lernte ich 2007 die Hufreheforen kennen und da war immer die Rede von barhuf. Also fing ich an zu lesen, was das Zeug hält. Informierte mich hier, informierte mich dort, ich verschlang alles über Hufe, was ich finden konnte. Und wagte 2008 den Versuch! Immerhin hat er fürchterlich hebelnde Innenwände vorne, steht hinten zu flach und die Zehe ist immer zu lang. Das musste doch hinzubekommen sein. Die Eisen kamen runter. Er lief bescheiden und alles, was dieses Tier ausmacht war verschwunden. Seine Lauffreude, seine tollen Gänge, seine Mitarbeit, er war nicht mehr mein Pferd. Ich probierte bis auf Strasser viele Methoden, habe teilweise die Hufe selber geraspelt. Allerdings immer unter Anleitung und Nachkontrolle durch eine NHC-Hufbearbeiterin, von der ich sehr viel halte. Immer hab ich gehofft, es klappt und ich bekomme mein "altes", freudiges Pferd wieder. Manchmal war es besser, daher hab ich soooo lange weiterversucht. Geritten wurde er mit Hufschuhen, damit ging es, aber es war nicht das gleiche wie früher. Aber ich war natürlich auch bereit, auf die Hufe Rücksicht zu nehmen, daher passte ich die Geländeritte seinen Hufen an. Bei der Hallenarbeit schob ich Steifigkeit und Unlust auf viele Dinge, aber nie auf die Hufe :oops: .

Es sei noch erwähnt, dass wir 1998 hier in dieses Gebiet gezogen sind und damit auch den tollen Sandböden den Rücken gekehrt haben. Hier herrscht steiniger, befestigter Boden auf den Wegen vor, oder aber Lehmboden (daher sind die Befestigungen der Wege nötig).

Ich versuchte auch verschiedene Varianten an Hufschuhen. Richtig gut waren keine für ihn. Zweimal hab ich ihn zwischendurch kurzfristig beschlagen lassen: einmal hätte er nur hinten einen Beschlag gebraucht wegen Spatproblemen, er bekam alle viere (vorne Duplos, hinten eben Spatbeschlag); das andere Mal weiß ich garnicht mehr, warum ich ihm vorne Duplos verpassen ließ. Und das waren die Momente, wo ich mein Pferd wiederhatte. Mein "altes", lauffreudiges, mit dem Schalk im Blick rennendes Pferd. Aber es machte nicht richtig klick bei mir :oops: . Ich versuchte weiterhin, ihn barhuf zu bekommen. Es musste doch funktionieren, verdammt. Ich las weiterhin sehr viel, fuhr mit o. g. Hufbearbeiterin mit, versuchte noch mehr zu lernen und umzusetzen. Die Zeit wird es bringen, dachte ich.

Aber sie brachte es nicht. Die Wände hebeln weiterhin, die Zehe wächst nach wie vor zu lang (teilweise habe ich wöchentlich eine Mustangroll angebracht) und ein Sohlengewölbe hat er vielleicht in der gesamten Zeit für 4 Wochen mal angedeutet. Und nun hab ich aufgegeben, es kann nicht richtig sein für ihn.

Seit 7 Wochen hat mein kleiner Großer nun vorne einen Alubeschlag und benimmt sich wie ein 5-jähriger mit seinen 24 Jahren. Gerade heute ist er gerannt wie in alten Zeiten. Wir haben einen tollen 1-stündigen Ritt gemacht. Und ich sitze nur noch strahlend auf ihm, wenn er nicht gerade Dönekens mit mir oder meiner Tochter anstellt. Wobei ich ihm nie lange böse sein kann, ich bin so froh, nach nächtelangem Hin- und Herwälzen diese Entscheidung für ihn getroffen zu haben. Er arbeitet in der Halle super mit, bietet sich an, ist locker und geschmeidig. Was war er während der Barhufzeit verspannt. Das fällt mir erst jetzt auf. Auch habe ich wieder Lust zu reiten. Die war nämlich komplett abhanden gekommen, weil ich keine Lust hatte, wieder nur durchs Gelände zu schleichen.

Am Dienstag kommt der Schmied wieder und ich denke, ich werde ihn auf einen normalen Eisenbeschlag umstellen. Die Alubeschläge halten nicht so lang auf unseren Böden, obwohl ich natürlich weiterhin den Grasstreifen nutze, wenn der vorhanden ist und nun nicht über die harten Böden donnere. Mal sehen, was der Schmied dazu sagt.

Was ich mit diesem Bericht, den ich auch noch mit Bildern ergänzen kann, wenn Zeit zum Heraussuchen ist, eigentlich nur sagen möchte: nicht jedes Pferd kann auf Barhuf umgestellt werden. Ich würde es bei evtl. neuen Pferden immer wieder versuchen, aber es gibt anscheinend Pferde, bei denen es nicht geht. Warum auch immer. Vielleicht kann ich hiermit dem ein oder anderen, der vielleicht in einer ähnlichen Situation ist, eine Entscheidungshilfe geben.

Im übrigen ist der Beschlag auch mit dem Barhufbearbeiter, der ihn 2 Jahre jetzt betreut hat, besprochen worden. Auch er war der Meinung, dass eine echte Umstellung bei ihm wohl nicht möglich ist. Er betreut weiterhin meinen Kleinen und freut sich immer, wenn er den Großen mit seinen vor Lebensfreude blitzenden Augen sieht.

Autor:  schnulli [ 07.09.2014, 20:24 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Erfahrungsbericht Barhufumstellung

Ein Nachsatz noch:

mein Pferd ist kein Rehepferd, die Röntgenbilder sind top. Er hat Borreliose (ohne Symptome), das war der Grund, warum ich zu den Hufreheforen gestossen bin. Denen verdanke ich auch, dass mein Pferd inzwischen eine tolle Figur hat (der ehemalige Spitzname "Tonne" passt nun mal garnicht mehr) und ich futtertechnisch versuche, ihn wie ein EMSler zu ernähren. Er ist zwar mehrfach negativ getestet, aber schaden tut es ihm absolut nicht :-). Ok, er hat einige Vergünstigungen wie z.B. eine 1/2 Stunde Weide (dies aber auch erst seit diesem Jahr. Jahrelang hat er kein Gras bekommen) und ein wenig Kraftfutter, welches nicht EMS-geeignet ist, aber lecker :-). ACTH ist jährlich gecheckt, bisher im unteren Graubereich, nächste Testung steht demnächst an.

Autor:  Eddi [ 08.09.2014, 07:37 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Erfahrungsbericht Barhufumstellung

Danke Uli für diesen tollen Beitrag!

Es ist ja seit langem mein Reden: Barhuf um jeden Preis iist nicht das Optimum.
Es gibt vielfältige Gründe warum es nicht funktioniert, u.a. spielt ganz sicher eine große rolle, dass es diesbzgl. keine natürliche auslese gibt und andere Kriterien zur "Zucht" herangezogen
werden.
Und das muss man m.M. nach akzeptieren.

LG Eddi

PS LisKa habe ich nach7 Jahren Beschlag vorne wieder umgestellt bekommen.
Zunächst war es eine Katastrophe und mit jeder Hufbearbeitung wurde es ein bisschen schneller besser.
Jetzt nach einem Jahr läuft sie direkt mit frisch bearbeiteten Hufen wieder (fast)völlig normal, das fast weil sie auf steinigen Feldwegen sofort einen Gang zurückschaltet.

Autor:  Maja75 [ 16.09.2014, 14:18 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Erfahrungsbericht Barhufumstellung

Mein erstes Pferd hatte ich damals auf barhuf umgestellt weil er sich ständig die Eisen runterzog beim auf der Weide rumhüpfen. Damals anfang der 90iger (ja lang ist es her :mrgreen: ) stand er in einer Box mit Fenster und es gab für ca. 30 ig Pferde drei Weiden auf denen man sich abwechseln musste mit rausstellen. Kein Wunder flogen da immer die Eisen :))
Hufschmied wurde natürlich gefragt ob das geht. Antwort wenn du das willst machen wir das...aha... nun gut, ich wollte also Eisen ab. Dieses Pferd lief mit und ohne Eisen über Stock und Stein, es war kein Unterschied zu bemerken. Sogar Springen auf Rasenplätzen war nie ein Problem. Im nachhinein sage ich immer der hatte damals schon ein ABS System eingebaut. Denn danach hatte ich nie wieder so ein trittsicheres Pferd.
Mein nächstes Pferd war 12 jährig als ich die vorderen Eisen herunternehmen lies. Ausschlaggeben dafür war, dass sie sehr schlechte Hufe hatte und ich ja mit barhuf so gute Erfahrungen gemacht hatte. Tja was soll ich sagen, einen Versuch habe ich abgebrochen den nächsten dann durchgezogen. Sie lief nach über einem Jahr auch echt gut, aber es war ein hartes Jahr und Gelände überwiegend mit Hufschuhen. Im nachhinein betrachtet würde ich es bei einem Pferd das schon jahrelang beschlagen war gut überlegen ob ich es - auch im Sinne des Pferdes- wieder versuchen würde.
Aktuell habe ich eine Warmblutstute die ich 5 jährig mit Eisen gekauft habe. Diese kamen aber sofort runter, da erstens der Beschlag gruselig war und zweitens sie eine Knieaktion zeigte wie ein Friese. Sowas hatte ich vorher noch nie gesehen. Tatsächlich lief sie ohne Eisen gleich nicht mehr so aufwändig mit den Vorderbeinen. 9 jährig habe ich sie dann vorne Beschlagen lassen. Grund war zum einen, dass sie nach dem ausschneiden mehrfach lahm ging- woraufhin ich dann meinen langjährigen Schmied den das alles nicht zu interessieren schien, den Laufpass gegeben habe und zum anderen, dass ich Turniere reiten wollte. Meine Stute ist jetzt seit 1,5 Jahren vorne beschlagen und ich wage jetzt- zumindest über den Winter den Versuch sie nochmals barhuf gehen zu lassen. Aber nicht um jeden Preis, wenn ich sehe es geht nicht ihr Gang wird wieder klamm, dann kommen vorne wieder Eisen drauf. Hufschuhe für Geländeritte habe ich die letzten Jahre immer schon benutzt und sind eine feine Sache.
Ich bin nämlich auch Eddis Meinung, dass leider in unserer Zucht nur noch auf Sport gezüchtet wird. Haltbarkeit in jeglicher Hinsicht spielt leider, leider eine sehr untergeordnete Rolle.
Mein Norweger läuft barhuf und kommt damit sehr gut zurecht. Auf Ausritten wo er viel Asphalt laufen muss oder auf Schotter mache ich vorne Hufschuhe drauf. Für hinten brauche ich ggf. jetzt auch welche weil er sich bedingt durch Spat immer die Zehe abhobelt. Bisher zum Glück immer noch so, dass es keine gesundheitlichen Probleme macht.
Generell bin ich pro barhuf, aber eben immer dem Pferd angemessen und nicht mehr auf biegen und brechen.

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